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Incoterms 2021: Definition & Übersicht der Lieferbedingungen – Deutschland & international

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Nachdem EU-Austritt Großbritanniens mit Ende 2020 veränderten sich die Handelsbeziehungen mit den Briten für Europa grundlegend. Export und Import von Europa nach Großbritannien und vom Königreich in die Union wurde deutlich erschwert. Damit im weltweiten Handel wichtige Fragen zwischen Käufer und Verkäufer geklärt werden können, eignen sich auch im Falle Großbritanniens internationale Handelsklauseln, sogenannte Incoterms. Im folgenden Text erfahren Sie, was Incoterms genau sind und auf welche Dinge Sie bei deren Einsatz im internationalen Handel als Unternehmer oder Privatperson achten sollten.

Was genau sind Incoterms?

International Commercial Terms, zu deutsch Internationale Handelsklauseln, sollen vertragliche Bedingungen, Verpflichtungen und Rechte für weltweite Transaktionen klären. Incoterms sind kurz erklärt standardisierte Regeln für Verkäufer und Käufer im internationalen Handel. Sie werden alle 10 Jahre aktualisiert und an die sich ändernden Gegebenheiten des internationalen Handelsverkehrs angepasst.

Intercoms dienen dazu, unterschiedliche juristische Interpretationen der jeweiligen Vertragsparteien auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Dadurch soll es im globalisierten Handel zu weniger Rechtsstreitigkeiten und vertraglichen Problem kommen. Die jeweils ausgemachten Incoterms setzen fest, inwieweit der Verkäufer oder der Käufer für Lieferung, Zollgebühren und verschiedenen Genehmigungen zuständig ist. Außerdem wird definiert, wer wann genau das Risiko und die Verantwortung für das gehandelte Gut trägt. Je nachdem, welche Klausel man verwendet, haben Verkäufer und Käufer dabei unterschiedliche Rechte und Pflichten.

Allerdings sind Intercoms keine gesetzlich festgelegten Regeln. Es handelt sich dabei lediglich um standardisierte, freiwillige Vertragsrichtlinien, denen Verkäufer und Käufer zustimmen müssen. Doch werden sie richtig eingesetzt, erleichtern sie internationale Geschäfte um ein Vielfaches.

Der Verkäufer legt üblicherweise fest, welche Art von Incoterm verwendet wird. Dennoch muss der Käufer eines Produktes natürlich zustimmen. Damit eine Transaktion zu Ihrer Zufriedenheit abläuft, sollten Sie sich mit Ihrem Gegenüber auf die zum Deal passende Klausel einigen. Stellen Sie außerdem sicher, dass der jeweilige Versanddienst diese Bedingungen auch mitträgt.

Incoterms dienen dazu, alle vertragsrelevanten Details einheitlich abzustimmen. Dazu zählen:

  • Ausfuhr, Durchfuhr, Einfuhr
  • Transportverträge
  • Versandversicherungen
  • Bestimmungen von Lieferort und Gefahrenübergang
  • Informationspflichten
  • Etc.

In diesen Bereichen sollen die Incoterms klären, welche der beiden Vertragspartner…

…die Versandkosten zu Tragen hat.

…die Versicherungskosten übernimmt.

…die Importkosten zahlt.

…für die Zollabfertigung verantwortlich ist.

…für den Transport bis wohin verantwortlich ist.

…bis zu welchem Ort und Zeitpunkt haftet.

Diese Incoterms gibt es: Überblick, Begriffsklärung & Tipps

Kurz gesagt ist der wichtigste Unterschied zwischen verschiedenen Incoterms der Punkt, wann das Risiko über die Ware vom Verkäufer zum Käufer übergeht. Prioritär geht es bei dieser Regelung um die Verantwortung für die Transportkosten, das Risiko für den Versand und die Frage nach der Versicherung der jeweiligen Ware.

Anfang 2020 wurden die Incoterms erneut aktualisiert. Es war das siebte Mal, dass die 1936 erstmals entwickelten Regelungen erneuert wurden. In der aktuellen Fassung lassen sich Incoterms in zwei verschiedene Arten aufteilen. Zum einen gibt es sieben Lieferklauseln für alle Transportmittel. Zum anderen gibt es vier eigene Incoterms für den internationalen Transport per Schiff.

Hier die 11 verschiedenen Incoterms im Überblick:

Für alle Transportmittel:

  • Incoterm EXW: Ex Works
  • Incoterm FCA: Free Carrier
  • Incoterm CPT: Carriage Paid to
  • Incoterm CIP: Carriage and Insurance Paid to
  • Incoterm DAP: Delivered at Place
  • Incoterm DPU: Delivered at Place unloaded
  • Incoterm DDP: Delivered Duty Paid

Für Schifftransporte:

  • Incoterm FAS: Free Alongside Ship
  • Incoterm FOB: Free on Board
  • Incoterm CFR: Cost and Freight
  • Incoterm CIF: Cost, Insurance and Freight

Incoterms für alle Transportarten

Im Folgenden werden die verschiedenen Incoterms für alle Transportarten genauer definiert und erklärt:

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Incoterm EXW: Ex Works

Incoterms Ex Works bedeutet, dass der Verkäufer dem Käufer die jeweilige Ware bei sich oder an einem anderen definierten Ort zur Verfügung stellt. Er muss die Ware weder verladen noch muss er sie frei zur Ausfuhr machen.

Die einzige Aufgabe, die der Verkäufer hat, ist die Ware fachgerecht zu verpacken. Sobald der Käufer die Ware in Empfang genommen hat, trägt er sowohl die Kosten als auch die Risiken für Versand und Transport.

Incoterm FCA: Free Carrier

Im Falle von Incoterms FCA lautet die Bedeutung, dass der Verkäufer die Ware auf eigene Gefahr und Kosten zu einem vereinbarten Ort bringt oder auf seinem Grund zur Verfügung stellt. Von dort aus wird diese von einem Versandträger abgeholt.

Außerdem muss der Verkäufer die Ware für den Export freigeben lassen. Auf Wunsch des Käufers muss er dem Versandträger gegebenenfalls eine sogenannte Bill of Lading (BIL) aushändigen. Diese bestätigt, dass die Ware auf das jeweilige Transportmittel aufgeladen wurde. Nun wechseln Risiko und Kostenpflichten zum Käufer über.

Seefracht-Export Ablauf

Incoterm CPT: Carriage Paid to

Bei Incoterms CPT hat der Verkäufer dieselben Pflichten, wie bei den Free Carrier Incoterms. Der einzige Unterschied dabei ist, dass er zusätzlich für die Zahlung der Versandkosten verantwortlich ist.

Gut zu wissen:

Wichtig ist, dass Ihr ausländischer Lieferant die Handelsrechnung ohne die ausländische Umsatzsteuer ausstellt. Zusätzlich zu den gelisteten Angaben können eventuell zusätzliche Anforderungen hinzukommen.

Incoterm CIP: Carriage and Insurance Paid to

Auch bei CIP Incoterms ist der Verkäufer verantwortlich, dass die Ware zu einem vereinbarten Ort gelangt, inklusive Kosten und Risiken. Die Versandkosten von diesem Ort an den Zielort fallen ebenfalls unter den Zuständigkeitsbereich des Verkäufers.

Bei CIP verpflichtet sich der Verkäufer jedoch zusätzlich, eine umfassende Transportversicherung für die jeweilige Ware abzuschließen. So wird dafür gesorgt, dass etwaige Beschädigungen an der Ware oder der Verlust des Transportguts bis zum Zielort des Transportes versichert sind.

Incoterm DAP: Delivered at Place

Hier ist der Verkäufer für den kompletten Versand der Ware zuständig. Bei Incoterms DAP trägt er die Kosten und Risiken für den gesamten Transport der Ware bis an die vereinbarte Adresse. Sobald die Ware dort angekommen und zur Entladung freigegeben ist, übertragen sich alle folgenden Kosten und Risiken automatisch auf den Käufer.

Seefracht-Importabwicklung

Incoterm DPU: Delivered at Place Unloaded

Bei Vereinbarungen über Incoterms DPU ist der Verkäufer zuständig für Transport, Ausfuhr und Entladung der Ware. Bis die Ware vollständig entladen ist, liegt das volle Risiko beim Verkäufer. Der Käufer selbst ist lediglich für die Einfuhrgenehmigung sowie die Bezahlung etwaiger Zollgebühren verantwortlich.

Incoterm DDP: Delivered, Duty Paid

Incoterms DDP besagen, dass der Verkäufer einer Ware vollständig für deren Ein- und Ausfuhrgenehmigung zuständig ist. Anfallende Export- und Import-Gebühren müssen von ihm beglichen und die Ware zum ausgemachten Zielort gebracht werden.

Sobald die Ware am Zielort der Lieferung angekommen und zur Entladung freigegeben ist, übertragen sich alle potenziellen Risiken auf den Käufer.

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Incoterms für Schiffstransport

Als Nächstes werden Incoterms für Transporte auf dem Seeweg genauer unter die Lupe genommen und die Begriffe erklärt:

Incoterm FAS: Free Alongside Ship

Der Verkäufer hat hierbei dafür zu sorgen, dass die Ware am jeweiligen Verschiffungshafen ankommt. Bis dorthin trägt er alle Risiken. Sobald die Ware sich in der Nähe des Schiffes befindet, gehen bei Incoterms FAS alle Risiken und Kosten auf den Käufer über.

Dieser trägt infolgedessen die Verantwortung für die Aus- und Einfuhr der Ware. Er übernimmt das Risiko für den Versand und bezahlt notwendige Zollgebühren.

Incoterm FOB: Free On Board

Bei Incoterms FOB trägt der Verkäufer die Verantwortung für die Ware, bis diese sich an Bord des jeweiligen Transportschiffes befindet. Er ist außerdem zuständig für die Ausfuhrgenehmigung der Ware.

Sobald das Transportgut sich auf dem Schiff befindet, geht das Risiko auf den Käufer über. Dieser ist für die Bezahlung des Transports und für die Gebühren und Genehmigungen zur Einfuhr verantwortlich.

Incoterm CFR: Cost and Freight

Diese Handelsklausel unterscheidet sich nicht unwesentlich von der vorhergehenden, der FOB. Die Bedeutung von Incoterms CFR ist lediglich, dass der Verkäufer auch die Transportkosten der zu versendenden Ware zu übernehmen hat.

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Incoterm CIF: Cost, Insurance and Freight

Bei Incoterms CIF ist der Verkäufer ebenfalls für die Transportkosten und die Ladung der Ware auf das Versandschiff verantwortlich. Zusätzlich ist er verpflichtet, eine minimale Versicherung für den Transport abzuschließen.

Für umfangreichen Versicherungsschutz muss der Käufer selbst aufkommen. Ebenso bleiben Einfuhr und Zollkosten in der Verantwortung des Käufers.

So verwenden Sie die Incoterms innerhalb Deutschlands und im internationalen Handel richtig

Damit Incoterms funktionieren können, müssen Sie bei der Verwendung der Handelsklauseln einige Dinge beachten:

Die verwendeten Incoterms müssen im Kaufvertrag einer Waren-Transaktion erwähnt werden. Außerdem sollten Sie die Incoterms auf die Handelsrechnung setzen. So gehen Sie sicher, dass beide Parteien vertraglich an die Klauseln gebunden sind. Zudem sollten Sie darauf achten, dass tatsächlich von den “Incoterms 2020” die Rede ist. So entsteht kein Raum für etwaige Missverständnisse.

Letzten Endes legt immer der Verkäufer die jeweilige Art der benutzten Incoterms fest. Dieser sollte der Käufer allerdings in vollem Wissen über die Bedingungen der Klauseln zustimmen. Das letzte Wort hat im Zweifel jedoch immer der Verkäufer. Außerdem können beide Vertragsparteien auf Wunsch die Regeln modifizieren. Alle geänderten Punkte sollten dem Grundgedanken der jeweiligen Klausel dennoch folgen. Zusätzlich ist darauf zu achten, Veränderungen punktgenau zu definieren und festzuhalten, um keinerlei Raum für juristische Streitigkeiten zu schaffen.

Beachten Sie zudem, die Incoterms auf Ihre Rechnung zu setzen, sobald Sie Produkte außerhalb der Europäischen Union versenden. Das gilt auch für Exporte in die Schweiz, natürlich auch für den Versand nach Russland, China oder in die Vereinigten Staaten. Seit 2021 sollten Sie auch beim Export nach Großbritannien darauf achten, mit dem jeweiligen Vertragspartner die für das Geschäft gültigen Incoterms zu beschließen.

Klären Sie außerdem schon innerhalb Deutschlands mit dem beauftragten Versandunternehmen die Incoterms ab. Das Unternehmen sollte die jeweiligen Versandbedingungen unterstützen und bereitwillig durchführen.

Um Schwierigkeiten bei Lieferung und Transport zu verhindern, sollten alle wichtigen Zielorte bzw. Zwischenziele des Versands genauestens definiert werden. So stellen Sie sicher, dass die jeweilige Ware tatsächlich in die Hände des Käufers gelangt.

Beachten Sie außerdem, dass Incoterm Klauseln kein vollständiger Kaufvertrag sind. Sie stellen lediglich eine Hilfe dar, um primäre Pflichten im Handelsrecht genauer zu definieren. Punkte wie die Rechtsfolgen eines Vertragsbruchs oder wann der Besitz einer Ware vom Verkäufer auf den Käufer übergeht werden von Incoterms nicht geregelt. Genauso wenig regeln die Klauseln Rechte und Pflichten von und gegenüber Drittparteien. Die exakten Regeln, beispielsweise für Spediteure oder Versandunternehmen müssen in seperaten Verträgen festgelegt werden.

Gut zu wissen:

Waren mit einem geringen Wert (unter 22 Euro Zollwert), die auf dem Postweg eingeführt wurden, waren bis Ende 2020 von der Einfuhrumsatzsteuer befreit. Ab Anfang 2021 entfiel diese Freigrenze.

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