Wie wird die Höhe der Zollgebühren bestimmt? – Wertzoll vs. spezifischer Zoll

Inhalte
Das Wichtigste in Kürze
  • Zölle dienen dem Staat zur Einnahmenerzielung und zum Schutz inländischer Hersteller – eine Praxis, die bis ins Jahr 69 n. Chr. zurückreicht.
  • Beim spezifischen Zoll wird die Abgabe anhand von Gewicht, Menge oder Stückzahl berechnet – unabhängig vom Warenwert.
  • Der Wertzoll, der in der gesamten EU angewendet wird, berechnet sich prozentual vom Warenwert und passt sich laufend an Marktschwankungen an.
  • In der EU fallen Zölle erst ab einem Warenwert von 150 EUR an – die Einfuhrumsatzsteuer hingegen bereits ab 1 Cent.
  • Das Online-Portal TARIC bietet kostenfreie Auskünfte zu aktuellen Zollsätzen in allen EU-Sprachen.

Zoll – was genau ist das eigentlich? Und wann müssen Zollabgaben entrichtet werden?

Zölle wurden bereits im Jahr 69 n. Chr. durch den römischen Kaiser Vespasian erhoben. Sie dienten und dienen dem Staat nicht nur der Generierung von Einnahmen, sondern auch dem Schutz der inländischen Hersteller.

Welche Systeme gibt es zur Festlegung der Zollgebühren? Um diese Fragen dreht sich der folgende Artikel. Die Höhe der konkreten Abgaben ist im jeweiligen Einzelfall individuell und kann daher hier nicht geklärt werden. Jedoch erfahren Sie in diesem Artikel, worauf Zoll gezahlt werden muss und welche Systeme der Bestimmung der Zollgebühren zugrunde liegen. Vor allem geht es dabei um die Unterscheidung zwischen spezifischen Zöllen einerseits und dem Wertzoll andererseits.

Weiterführende Informationen rund um Zollgebühren finden Sie auch auf unserer Themenseite.

Spezifischer Zoll

Ein spezifischer Zoll ist beispielsweise der Gewichtszoll, der sich nach dem Gewicht der Ware richtet. Spezifische Zölle können sich aber auch auf die Anzahl, Menge oder Beschaffenheit der Ware beziehen. Dieses Zollsystem wird nur noch von wenigen Nationen verwendet, etwa der Schweiz.

In der Regel wird bei der Berechnung des spezifischen Zolls in Form des Gewichtszolls das Bruttogewicht der Ware als Rechengrundlage verwendet. Container, Paletten oder Ladehilfsmittel fließen nicht in die Auswertung ein. Des Weiteren werden Liter, Stückzahl, Meter, Verwendungseinheiten oder andere spezifische Werte herangezogen. So kann beispielsweise bei einer Containerlieferung Fahrräder der Zoll pro Fahrrad erhoben. Der Wert der Lieferung oder der einzelnen Fahrräder ist bei dieser Methode unerheblich.

spezifischer-zoll

Die Vorteile spezifischer Zölle liegen in der Einfachheit der Bemessungsgrundlage für die Berechnung. Da es bei dieser Methode nicht zu Preisschwankungen kommen kann, ist eine relativ genaue Vorhersehbarkeit der Zollabgaben möglich. Die Nachteile dieser Methode bestehen darin, dass Zustand und Qualität der Waren kaum berücksichtigt wird.

Wertzoll

Dieses Erhebungsverfahren des Wertzolls wird in der gesamten Europäischen Union (EU) angewendet.

Der Definition nach ist ein Wertzoll ein tarifäres Handelshemmnis, welches auf Wertbasis berechnet wird, das heißt, in Prozent des Warenwertes. Zum Beispiel: Der Drittlandszollsatz von 15 Prozent bedeutet, dass 15 Prozent des Zollwertes als Zoll von der EU einbehalten werden.

Wie der Name schon vermuten lässt, bezieht sich der Wertzoll nur auf eine Größe, nämlich den Wert der zu verzollenden Ware (ad valorem = vom Wert). Zur Berechnung wird der Zollsatz herangezogen. Dieser wird aufgrund der Außenhandelsstatistik festgelegt, die vom Statistischen Bundesamt erstellt wird.

Würde eine Ware in sehr hohem Aufkommen eingeführt, würden die Preise sinken und somit die inländischen Hersteller zwingen, unter Wert zu verkaufen. Um den Wert einer Ware an den diesbezüglich in der EU-Zollunion geltenden Wert anzugleichen, werden Wertzölle erhoben. Der jeweilige Zollsatz wird je nach der vom Statistischen Bundesamt ermittelten Ausfuhr- und Einfuhrquote erhöht oder gesenkt. Somit ergeben sich starke und plötzliche Schwankungen.

Durch diese wechselhaften Sprünge ist eine exakte Bestimmung der Zollgebühren selbst am Tag der Einfuhr oft nicht möglich. So wird die Ware nur erfasst und mit dem momentanen Zollsatz gerechnet. Die Zollsatzschwankung bedeutet somit häufig eine Über- oder Unterzahlung. Die genaue Kalkulation erfolgt dann im Nachhinein.

Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass sich die Höhe des Zollsatzes aktuell an etwaige Wertschwankungen der Import- und Exportgüter anpasst. Der Nachteil liegt darin, dass der Zollwert der Waren meist nur schwierig und unter großem Aufwand zu berechnen ist.

wertzoll

Das Online-Zolltarif-Informationsportal TARIC gibt Auskünfte über die aktuellen Zollsätze.

Die TARIC-Auskunftsanwendung wird kostenfrei über das Internet angeboten. Hier erhalten Sie alle wichtigen Auskünfte zu jedem TARIC-Code oder der Warenbeschreibung in sämtlichen Sprachen der Mitgliedstaaten der EU.

Wichtige Änderungen in der EU für Privatpersonen

Zölle werden in der EU aber nicht generell erhoben, da es Wertgrenzen gibt. Erst wenn der Sachwert der Ware 150 EUR übersteigt, werden bei Einfuhr in die EU Zölle erhoben. Es darf sich dabei allerdings nicht um alkoholische Erzeugnisse, Parfüms, Eau de Toiletts, Tabak, Tabakwaren oder Kaffee handeln.

Allerdings bedeutet zollfrei nicht gleich abgabenfrei. In Deutschland wird zusätzlich noch die Einfuhrumsatzsteuer fällig, welche der Umsatzsteuer entspricht, die auch im Inland zu jedem Nettopreis hinzugerechnet wird (Ausnahmen finden sich in § 23 Abs. 1 ZollV).

Bis zum 1. August 2008 lag die Wertgrenze für Zölle nicht bei 150 EUR, sondern bei lediglich 22 EUR. Als der Freibetrag auf 150 EUR angehoben wurde, musste die Einfuhrumsatzsteuer weiterhin ab einem Warenwert von 22 EUR bezahlt werden. Dieser Freibetrag fiel am 1. Juli 2021 komplett weg. Das bedeutet, dass die Einfuhrumsatzsteuer nunmehr bereits ab einem Warenwert von 1 Cent fällig ist.

Einige Warenarten und deren Zollsätze bei Einfuhr in die EU im Überblick

Folgende Zollsätze weist der deutsche Zoll für die angegebenen Warenarten aktuell (Stand November 2022) aus.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen

Der spezifische Zoll basiert auf messbaren Größen wie Gewicht, Menge oder Stückzahl, während der Wertzoll prozentual auf den Warenwert berechnet wird. Der Wertzoll wird in der gesamten EU angewendet, der spezifische Zoll hingegen nur noch von wenigen Ländern wie der Schweiz.

Zölle werden in der EU erst erhoben, wenn der Sachwert der Ware 150 EUR übersteigt. Ausgenommen von dieser Regelung sind Waren wie Alkohol, Parfüm, Tabak und Kaffee.

Nein. Auch wenn keine Zölle anfallen, wird in Deutschland zusätzlich die Einfuhrumsatzsteuer fällig. Diese entspricht der üblichen Umsatzsteuer und gilt seit dem 1. Juli 2021 bereits ab einem Warenwert von 1 Cent.

Das Online-Portal TARIC bietet kostenfreie Auskünfte zu aktuellen Zollsätzen. Es kann per TARIC-Code oder Warenbeschreibung abgefragt werden und ist in allen Sprachen der EU-Mitgliedstaaten verfügbar.

Der Vorteil des Wertzolls liegt darin, dass er sich flexibel an aktuelle Wertschwankungen der Waren anpasst. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass der Zollwert oft aufwendig zu berechnen ist und starke Schwankungen eine genaue Vorauskalkulation erschweren.

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