Was ist der Unterschied zwischen Spedition und Kontraktlogistik? – Alles Wichtige im Überblick

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Das Wichtigste in Kürze
  • Spedition und Kontraktlogistik werden oft verwechselt, unterscheiden sich aber deutlich im Umfang ihrer Dienstleistungen.
  • Eine Spedition übernimmt klassisch Transport, Lagerung und Verpackung – die Kontraktlogistik geht weit darüber hinaus.
  • Kontraktlogistiker agieren als strategische Partner: Sie erstellen Bedarfsprognosen, wickeln Aufträge ab und halten Kundenkontakt.
  • Für einfache Warenströme reicht oft eine Spedition – bei komplexen Geschäftsmodellen wie E-Commerce empfiehlt sich Kontraktlogistik.
  • Kontraktlogistik ist kostspieliger, bietet aber mehr Planungssicherheit und Flexibilität für wachsende Unternehmen.

Im Volksmund werden die Begriffe “Kontraktlogistik” und “Spedition” oft synonym verwendet. De facto bestehen aber deutliche Unterschiede zwischen dem Spediteur und der Kontraktlogistik. In diesem Artikel wollen wir genauer darauf eingehen, warum es wichtig ist, die beiden Konzepte voneinander zu trennen und ihre Grundlagen zu verstehen.

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Definition von Spedition und Kontraktlogistik

Schauen wir uns zunächst genau an, wie man Kontraktlogistik und Spedition definiert. Beide Konzepte haben ihre ganz spezifischen Merkmale und bieten den Export- und Importunternehmen diverse Vor- und Nachteile.

Was ist eine Spedition?

Bei einer Spedition handelt es sich um ein Dienstleistungsunternehmen, welches für Sie im Wesentlichen die Warentransporte übernimmt. Die Hauptaufgabe ist es also, alle mit dem Transport verbundenen Abläufe zu organisieren. Dazu gehören neben der Beförderung der Waren unter Umständen auch die Verpackung sowie die Aufbewahrung der Sendungen in einem speziell dafür vorgesehenen Speditionslager.

Was versteht man unter Kontraktlogistik?

Im Unterschied zu einem Spediteur ist Kontraktlogistik als ein System zu verstehen, bei dem ein Hersteller oder Händler von Waren eine komplexere Zusammenarbeit mit einem Logistikunternehmen aufsetzt und letzteres weitgehende Aufgaben rund um den Transport übernimmt. Die Logistiker bilden hier sozusagen ein Bindeglied zwischen dem Produzenten und dem Kunden. Sie werden unter anderem auch beratend tätig und optimieren die Planung des Bedarfs. Ein wichtiger Unterschied zur Spedition ist also, dass die Aufgaben weit über Lagerung und Transport hinausgehen. So können die Logistiker ihrerseits Subunternehmen mit Umschlag, Versendung und Kommissionierung beauftragen.

Zentrale Unterschiede zwischen Spedition und Kontraktlogistik

Im Vergleich Kontraktlogistik vs. Spedition fällt auf, dass das Dienstleistungsspektrum bei den Logistikern wesentlich weiter gefasst ist. Während die Spedition hauptsächlich den Transport und eventuell die Lagerung sowie Verpackung übernimmt, kann die Kontraktlogistik auch umfangreiche Bedarfsprognosen erstellen, Kontakt mit den Kunden halten, Aufträge abwickeln und Retouren bearbeiten.

Das Dienstleistungsspektrum im Überblick

Der wichtigste Unterschied zwischen Kontraktlogistik und Spedition ist, dass erstere weitaus mehr Aufgaben übernimmt. Die Spedition ist dagegen konkret an alle Vorgänge gebunden, die mit dem Transport selbst zu tun haben. Der Hersteller würde in diesem Fall die Waren von der Spedition abholen und eventuell zu einem Speditionslager bringen lassen. Im Anschluss findet die Auslieferung an die Kunden statt. Teilweise werden weitere Services wie die Verpackung der Produkte und die Zollabwicklung angeboten.

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Die Kontraktlogistik ist dagegen ein engerer Partner, der komplette Bedarfsprognosen und optimierte Auftragsabwicklungssysteme erstellt. Typisch für dieses Konzept ist außerdem, dass Beschaffungs- und Verpackungsprozesse sowie die Auftragsabwicklung und der Kundenkontakt eigenständig übernommen werden. So kann ein Logistikunternehmen beispielsweise Sendungen in Eigenregie in ein Umschlagslager verbringen und von dort aus in die Regionen weiterleiten.

Kontraktlogistiker übernehmen, anders als Speditionen, weiterhin die tägliche Bestandskontrolle und arbeiten für die Lieferung selbst unter Umständen mit Spediteuren als Subunternehmen zusammen. Eventuell kann das Servicepaket der Kontraktlogistik sogar die Entsorgung von Abfällen umfassen.

Kundenbeziehung und Vertragsmodelle

Die Kontraktlogistik bietet ein sehr umfangreiches Paket an Services, welches sich im Detail vertraglich regeln lässt. Unternehmen in dieser Branche fungieren zunächst als Berater und Planer, die ein optimales Konzept für den Verkauf und Transport von Waren vorschlagen. Dazu gehören unter Umständen auch elektronische Buchungs- und Nachverfolgungssysteme. Dabei halten die Kontraktlogistikunternehmen einen engen Kontakt zu den Auftraggebern ebenso wie zu den Endkunden. Verträge mit Speditionen umfassen meist nur eine bis drei sehr konkrete Dienstleistungen, beispielsweise die Verpackung, Abholung und Auslieferung der Waren an den Kunden. Die Vertragsmodelle lassen sich natürlich unterschiedlich anpassen und Erweiterungen der Services sind selbst bei klassischen Spediteuren denkbar.

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Fallbeispiele: Spedition vs. Kontraktlogistik

Fallbeispiel 1

Nehmen wir einmal an, dass ein Unternehmen Limonade herstellt und diese an Supermärkte in ganz Deutschland verschicken möchte. Die Abfüllung der Flaschen findet innerhalb der Produktionsstätte statt. Hier werden die verschiedenen Sorten des Getränks dann auch auf Paletten verpackt und für den Transport vorbereitet.

In diesem Fall bietet sich die Zusammenarbeit mit einer Spedition an. Diese würde lediglich die Aufgabe übernehmen, die Ware abzuholen und zunächst in ein Umschlagslager zu bringen. Von diesen regionalen Drehkreuzen erfolgt dann je nach Bestellung und Bedarf die Auslieferung an die einzelnen Supermärkte in den umliegenden Städten.

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Fallbeispiel 2

In einem anderen Fallbeispiel zum Vergleich von Kontraktlogistik und Spedition gehen wir von einem etwas komplexer aufgebauten E-Commerce-Unternehmen aus. Dieses Unternehmen importiert verschiedene Kleinstprodukte aus China und möchte diese auf Bestellung direkt an die Endkunden ausliefern. Das Warenspektrum reicht vom Fön bis hin zur Handyhülle.

Aufgrund der Vielfalt der Warengruppen sind weitreichendere Verfahren zum Beispiel bei der Zolltarifierung notwendig. Ein Kontraktlogistikunternehmen würde hier zunächst eine Bedarfsanalyse vornehmen, um zu erkennen, welche Warengruppen in welchen Mengen benötigt werden. Als nächstes könnte eine verbindliche Zolltarifauskunft von den Zollbehörden anfordert werden, in der seitens der Zollbehörde rechtsverbindlich festgelegt wird, wie die Ware in den Gemeinsamen Zolltarif (TARIC) der Europäischen Union einzureihen ist. Damit lässt sich Höhe der Zölle je Warengruppe für die folgenden drei Jahre kalkulieren und das Unternehmen hat ein geringeres Risiko von Gebührenveränderungen.

Die Kontraktlogistik würde nun den kompletten Import mit der Planung der benötigten Mengen übernehmen, ein Lager einrichten und ein Bestellsystem erstellen. Hierbei können die Kunden online Aufträge erteilen und die Lieferung der angeforderten Waren elektronisch verfolgen. Die Auslieferung erfolgt dann meist von einem festen Kommissionslager aus an die Endkunden. Im Detail können die Dienstleistungen, die von der Kontraktlogistik angeboten werden, natürlich abweichen. Oft findet von Seiten des Partners selbst ein Outsourcing der Transporte an Spediteure statt. Diese würden sich in der Regel auch um die Zollabwicklung und Versicherung kümmern.

Entscheidungshilfe für Unternehmen

Je nach Geschäftsmodell können entweder Kontraktlogistik oder Spedition größere Vorteile für das Unternehmen bieten. Zunächst müssen Sie sich klar machen, dass bei der Kontraktlogistik immer höhere Kosten anfallen. Die Services sind dabei weitreichender und eignen sich speziell für Unternehmen, bei denen die Warenbewegung sehr komplex ist.

Wer beispielsweise im E-Commerce viele unterschiedliche Waren versenden möchte, ist mit der Kontraktlogistik oft besser beraten. Die Partner übernehmen hier unter anderem die konkrete Bedarfsanalyse, können die Warengruppen in ihren Lagern besser sortieren und den Kontakt mit den Kunden übernehmen.

Speditionen sind eher für den Handel mit wenigen Warenarten geeignet. Hier lässt sich eine enge Zusammenarbeit mit einem Transportunternehmen aufbauen, welches eine bestimmte Produktart innerhalb eines regionalen oder internationalen Rahmens ausliefert. Ein Vorteil ist, dass Speditionen sich in der Regel immer auch um die Zollabwicklung und die Versicherung der Waren kümmern. Das kann konkret im Vertrag festgehalten werden.

Fazit zu Kontraktlogistik vs. Spedition

Spedition und Kontraktlogistik sind zwei Konzepte, die eng miteinander verwoben sind und sich in weiten Teilen ähneln. Der wichtigste Unterschied zwischen Kontraktlogistik und Spedition liegt im Dienstleistungsspektrum. Erstere wird stets weitreichendere Services anbieten und Sie intensiv bei der Planung Ihrer Warenströme beraten. Der Spediteur ist dagegen ganz klassisch nur für den Transport, eventuell auch für die Verpackung und Lagerung zuständig. Je nach Geschäftsmodell eignet sich das eine System besser als das andere. Lassen Sie sich dahingehend gern von Experten bei Butz beraten. Wir freuen uns darauf, Ihnen mit unserer Kompetenz zur Seite stehen und die Arbeit erleichtern zu können.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Der wichtigste Unterschied liegt im Dienstleistungsumfang. Eine Spedition konzentriert sich auf Transport, Lagerung und Verpackung. Die Kontraktlogistik übernimmt zusätzlich Aufgaben wie Bedarfsprognosen, Auftragsabwicklung, Kundenkontakt und Retourenmanagement.

Eine Spedition eignet sich besonders für Unternehmen mit wenigen Warenarten und klar definierten Transportanforderungen, zum Beispiel ein Getränkehersteller, der Paletten an regionale Supermärkte liefern lässt.

Kontraktlogistik ist ideal für Unternehmen mit komplexen Warenströmen, etwa E-Commerce-Händler, die viele verschiedene Produkte importieren und direkt an Endkunden ausliefern möchten. Der Logistikpartner übernimmt dabei auch Zolltarifierung, Lagerverwaltung und Kundenkommunikation.

Ja, häufig lagern Kontraktlogistiker die eigentlichen Transportleistungen an Spediteure als Subunternehmen aus. Diese kümmern sich dann unter anderem um Zollabwicklung und Warenversicherung.

Ja, Kontraktlogistik ist in der Regel mit höheren Kosten verbunden, da das Dienstleistungspaket deutlich umfangreicher ist. Der Mehrwert liegt in der strategischen Beratung, optimierten Prozessen und einem engeren Partnerverhältnis.

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