- Supply-Chain-Kennzahlen (KPIs) sind messbare Leistungsindikatoren, die exportierenden Unternehmen helfen, internationale Lieferketten datenbasiert zu steuern und Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.
- Die wichtigsten KPIs umfassen Liefertreue, Auftragsabwicklungsdauer, Perfect Order Rate, Lagerumschlag, Zollabfertigungsdauer, Frachtkosten je Einheit, Lieferantenperformance und CO2-Emissionen je Sendung.
- Zollrechtliche und nachhaltigkeitsbezogene Faktoren – wie der AEO-Status oder die CBAM-Verordnung – spielen bei der KPI-Analyse eine zunehmend wichtige Rolle.
- Systematisch ausgewertete Kennzahlen senken Logistikkosten, reduzieren Compliance-Risiken und stärken die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens nachhaltig.
Die Steuerung internationaler Lieferketten (Supply Chains) umfasst die Lenkung der Warenströme über verschiedene Transportwege, die Optimierung der elektronischen Dokumentation vor dem Hintergrund einer störungsfreien Zollabfertigung und die Prüfung von Vertragsbedingungen, um trotz bestehender Frachtrisiken eine reibungslose Logistik aufrechtzuerhalten.
Ein derart umfassendes Lieferkettenmanagement lässt sich nur dann umsetzen, wenn datenbasierte Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stehen. Supply-Chain-Kennzahlen bzw. Key Performance Indicators (KPIs) als messbare Leistungsindikatoren zur Bewertung der relevanten Prozesse liefern diese Informationen. Unternehmen, die grenzüberschreitende Warenströme koordinieren müssen und auf die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Lieferkette angewiesen sind, brauchen einen belastbaren Pool an Indikatoren als zentrale Steuerungsinstrumente.
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Welche Supply-Chain-Kennzahlen gibt es? – Bedeutung und Funktion im Überblick
Das Spektrum relevanter Lieferketten-KPIs geht über den reinen Logistikaspekt deutlich hinaus. Die Kennzahlen erfassen unter anderem die Liefertreue und den Lagerumschlag als klassische Logistikgrößen, erstrecken sich aber auch auf zollrechtlich relevante Indikatoren sowie regulatorische Aspekte im Sinne der Dual-Use-Vorschriften oder der CBAM-Verordnung (Carbon Border Adjustment Mechanism, Verordnung (EU) 2023/956).
Damit sind die Supply-Chain-Kennzahlen nicht nur Messgrößen, mit denen sich die Wirksamkeit einer Just-in-Time- oder Just-in-Sequence-Lieferkette überprüfen lässt. Jedes Unternehmen kann durch die systematische Erfassung und Auswertung der relevanten KPIs Schwachstellen frühzeitig identifizieren und Compliance-Risiken der Lieferkette kontrollierbar machen.
Auf die wichtigsten Supply-Chain-Kennzahlen gehen wir in den folgenden Abschnitten im Detail ein.
On-Time Delivery Rate (Liefertreue)
Die Liefertreue misst den Anteil der Lieferungen, die termingerecht beim Empfänger eintreffen. Sie ist einer der zentralen Indikatoren für die Leistungsfähigkeit einer Exportlieferkette. Gerade in Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Lieferketten, bei denen es für auf die Verfügbarkeit von Waren und Vorprodukten in der exakten Reihenfolge ankommt (beispielsweise in der Automobilindustrie), hat die Liefertreue als KPI unmittelbare Auswirkungen auf Produktionsprozesse.
Beim grenzüberschreitenden Warenverkehr haben verschiedene Faktoren Einfluss auf die Liefertreue. Angefangen von den Zollabfertigungszeiten über die Vollständigkeit der Exportdokumentation bis zur Zuverlässigkeit der eingesetzten Transportdienstleister ergibt sich überall Verzögerungspotenzial bzw. die Chance für Optimierungen.
Treten Abweichungen von der erwarteten Liefertreue auf, ist eine systematische Analyse der Ursachen angezeigt. Als Kernfrage steht dabei im Raum, ob die Verzögerung auf eine operative Schwachstelle – beispielsweise wiederholte Fehler in der Ursprungserklärung des Lieferanten – oder systemische Einflussfaktoren zurückgehen. Aber auch Blockaden wichtiger Frachtwege können dazu führen, dass sich Lieferungen verzögern, und ein hohes Aufkommen an Warensendungen kann die Überlastung von Transportdrehkreuzen verursachen. In letzterem Fall kann möglicherweise eine Änderung der Transportroute Abhilfe schaffen.
Auftragsabwicklungsdauer
Die Auftragsabwicklungsdauer bzw. Order Fulfillment Cycle Time (OFCT) erfasst den Zeitraum vom Auftragseingang bis zur Übergabe der Ware an den Empfänger. Für Exporteure umfasst dieser Zyklus nicht nur die interne Auftragsbearbeitung und Kommissionierung (das Zusammenstellen von Waren für einen Auftrag). In die OFCT fließen auch die Exportzollabfertigung sowie der internationale Transport (einschließlich der Transitverfahren) ein.
Um die Auftragsabwicklungsdauer als KPI zu nutzen, bedarf es einer differenzierten Betrachtung der einzelnen Abschnitte, zum Beispiel der Zollabfertigungszeit im Verhältnis zur reinen Transportdauer. Aufgrund dieser Analyse ist es möglich, gezielte Maßnahmen zur Optimierung einzuleiten.
Verzögerungen bei der Zollabwicklung, die auf unvollständige oder fehlerhafte Ausfuhranmeldungen im ATLAS-System (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System der deutschen Zollverwaltung) zurückzuführen sind, müssen anders behandelt werden als transportbedingte Laufzeitverzögerungen, die beispielsweise durch die Umverpackung der Ware in einem Logistik-Hub entstehen.
Perfect Order Rate
Die Perfect Order Rate (POR) misst, welcher Anteil der Lieferungen vollständig, termingerecht, unbeschädigt und mit korrekter Dokumentation beim Empfänger ankommt. Die Bedeutung dieses KPI ergibt sich unter anderem aus der Tatsache, dass er mehrere Qualitätsparameter zusammenfasst.
Für den internationalen Warenverkehr hat die POR besondere Bedeutung, da sie einerseits unmittelbar mit der Kundenzufriedenheit in Verbindung steht, auf der anderen Seite aber auch indirekt die Prozesskosten abbildet. Eine niedrige Rate an Fehlerfreiheit bedeutet Retouren und einen hohen Bedarf an Nacharbeit, was in der Regel Mehrkosten verursacht.
Wie bei der Auftragsabwicklungsdauer ist auch bei der POR die separate Betrachtung der einzelnen Qualitätsparameter für die Prozessoptimierung besonders hilfreich, wenn zum Beispiel ermittelt wird, ob es in der Kommissionierung oder bei der Dokumentation (inkorrekte Handelsrechnungen oder Lieferantenerklärungen) zu einem Fehler gekommen ist.
Lagerumschlagshäufigkeit (Inventory Turnover Ratio)
Der Lagerumschlag, der als betriebswirtschaftliche Kennzahl auch als Umschlagskoeffizient bzw. Inventory Turnover Ratio bezeichnet wird, misst den durchschnittlichen Durchsatz des Lagerbestands – sprich wie oft dieser innerhalb eines definierten Zeitraums vollständig umgesetzt wird. Dabei signalisiert eine hohe Inventory Turnover Ratio, dass eine effiziente Bestandssteuerung vorliegt, die mit einer vergleichsweise geringen Kapitalbindung einhergeht.
Demgegenüber deutet eine niedrige Umschlaghäufigkeit auf Überbestände oder eine Absatzschwäche hin. Im Zusammenhang mit dem grenzüberschreitenden Warenverkehr ist dieser KPI unter anderem für das Zolllagerverfahren nach Art. 237 ff. des Unionszollkodex (UZK) von Bedeutung.
Hintergrund: Waren, die im Zolllager verwahrt werden, unterliegen bis zur Entnahme und der Überlassung zum zollrechtlich freien Verkehr zwar keiner unmittelbaren Einfuhrabgabenpflicht, dennoch sollte die Lagerungsdauer im Hinblick auf bestimmte Faktoren kontrolliert und gesteuert werden. Konkret sind dies die Wirtschaftlichkeit in Bezug auf die Lagerkosten einerseits und der warenindividuelle Aufbau eines Sicherheitsbestands andererseits.
Zollabfertigungsdauer
Gerade im Zusammenhang mit dem grenzüberschreitenden Warenverkehr ist die Zollabfertigungsdauer eine zentrale Kennzahl, da sie als direkter Indikator für die Qualität der eingereichten Zolldokumentation sowie die Effizienz der internen Zollabwicklungsprozesse fungiert.
Auswirkungen haben hier einerseits externe Faktoren auf der Lieferantenseite, insbesondere die Vollständigkeit und Richtigkeit der für die Zollabfertigung erforderlichen Dokumentation. Auf der anderen Seite bietet der Status des Zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (Authorised Economic Operator, AEO) Optimierungspotenzial, da sich mit ihm Vorteile wie verkürzte Abfertigungszeiten realisieren lassen.
In die Analyse der Zollabfertigungsdauer sollten die Zollstelle sowie die jeweilige Warengruppe und der Transportweg einfließen, um anhand der Ergebnisse auf den einzelnen Ebenen eine Optimierung der Lieferkettenprozesse vornehmen zu können. Unternehmen können diesbezüglich vom Know-how und der Erfahrung einer Zollagentur profitieren. Die Experten vom Verzollungsbüro Butz begleiten sowohl in den Bereichen Import und Export wie auch beim Transport und der Logistik professionell und zuverlässig. So wird eine solide Basis geschaffen, auf der sich internationale Lieferketten nachhaltig optimieren lassen und dem Unternehmen mehr Kapazität für sein eigentliches Kerngeschäft erhalten bleibt.
Frachtkosten je Einheit
Die Supply-Chain-Kennzahl der Frachtkosten je Einheit bzw. Freight Cost per Unit setzt die gesamten Transportaufwendungen ins Verhältnis zur transportierten Warenmenge. In multimodalen Lieferketten (Nutzung mehrerer Verkehrsträger, etwa Straße, Schiene und Seefracht innerhalb einer Transportrichtung) ermöglicht dieser Indikator einen direkten Vergleich verschiedener Transportoptionen und -routen.
Für den Warenverkehr ist die Analyse der Frachtkosten je Einheit zusätzlich im Zusammenhang mit der Zollwertermittlung relevant: Der Zollwert als Grundlage für die Berechnung der Einfuhrabgaben im Bestimmungsland wird gemäß Art. 70 UZK nach dem Transaktionswert bestimmt, in den die Transportkosten bis zum Einfuhrort einfließen. Änderungen in der Transportstruktur wirken sich daher direkt auf die Zollwertbasis und damit auf die Gesamtkosten einer Lieferung beim Empfänger aus.
Lieferantenperformance
Die Leistungsfähigkeit der Lieferanten leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Stabilität der eigenen Lieferkette. Aus unternehmerischer Sicht sind einige Teilaspekte, wie die Termintreue und die Qualität, besonders interessant. Die Performance in den einzelnen Bereichen lässt sich über Scorecards übersichtlich abbilden und ermöglicht die Identifizierung der Vorlieferanten mit einer hohen Performance, worauf im Weiteren die Optimierung der betreffenden Prozesse aufbauen kann.
Anbieter mit einer geringen bzw. ungünstigen Performance fallen beispielsweise durch häufige Fehler in der Dokumentation oder einen ungewöhnlich hohen Anteil bei den Rücksendungen auf, was auf Produktionsfehler oder eine mangelhafte Qualitätsprüfung hindeutet.
Zusammengefasst gehören zu den KPIs, nach denen sich die Performance der Zulieferer bewerten lässt:
- die Termintreue der Lieferanten,
- die Fehler‑/Ausschussquote als Qualitätskennzahl,
- die Preiswettbewerbsfähigkeit (hat Einfluss auf die Zollwertbasis),
- die Flexibilität (misst Anpassungsfähigkeit und Servicequalität),
- die Dokumentengenauigkeit,
- die Einhaltung von Vertrags‑ und Qualitätsstandards.
CO2-Emissionen je Sendung
Die Messung der Emissionen in Lieferketten anhand des KPI Carbon Footprint per Shipment ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Aspekt für die Bewertung der Nachhaltigkeit von Lieferketten geworden. Vor dem Hintergrund, dass die Europäische Union (EU) mit Verordnungen die Rahmenbedingungen in diesem Zusammenhang umfassend neu definiert hat, wird die Analyse des CO2-Fußabdrucks je Sendung für den grenzüberschreitenden Warenverkehr zum operativen Einflussfaktor, der sich auch auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt. Lieferanten mit einem nachweislich geringen CO2-Ausstoß bringen Vorteile für die Supply Chain – nicht nur bezüglich der Erfüllung der gesetzlichen Nachhaltigkeitsanforderungen, sondern auch für die Wettbewerbsposition des eigenen Unternehmens.
Fazit: Supply-Chain-Kennzahlen nutzen um Transportkosten, Lieferdauer und Zulieferer zu optimieren
Internationale und globale Lieferketten bestehen regelmäßig aus einem dicht geknüpften Netz von verschiedenen Zulieferern und Transportwegen. Für exportierende Unternehmen wird es damit immer wichtiger, die einzelnen Elemente systematisch zu erfassen. Die Auswertung von Kennzahlen, wie der Leistungsfähigkeit der Zulieferer oder der Höhe des Anteils, perfekt auf den Punkt erledigter Aufträge, hat entscheidenden Einfluss auf die eigene Position auf dem Markt und gegenüber den Wettbewerbern.
Über die Ermittlung der verschiedenen Kennzahlen lassen sich Fehlerquellen identifizieren und im Ergebnis Logistikkosten und Compliance optimieren. Zudem ist mithilfe der Lieferketten-KPIs ein vorausschauendes Lieferkettenmanagement möglich – gerade im Hinblick auf zollrechtliche und nachhaltigkeitsbezogene Faktoren. Sich als Unternehmen mit den Kennzahlen zu beschäftigen bedeutet, eine robuste und in Krisen resiliente Lieferkette aufzubauen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Supply-Chain-Kennzahlen, auch Key Performance Indicators (KPIs) genannt, sind messbare Leistungsindikatoren zur Bewertung von Prozessen in der Lieferkette. Sie helfen Unternehmen, grenzüberschreitende Warenströme datenbasiert zu steuern, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und Compliance-Risiken kontrollierbar zu machen.
Die On-Time Delivery Rate misst den prozentualen Anteil der Lieferungen, die termingerecht beim Empfänger eintreffen. Sie ist besonders relevant bei Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Lieferketten, denn hier haben Verzögerungen direkte Auswirkungen auf die Produktionsprozesse. Einflussfaktoren sind unter anderem Zollabfertigungszeiten, die Vollständigkeit der Exportdokumentation und die Zuverlässigkeit von Transportdienstleistern.
Die Perfect Order Rate gibt an, welcher Anteil der Lieferungen vollständig, termingerecht, unbeschädigt und mit korrekter Dokumentation beim Empfänger ankommt. Sie fasst mehrere Qualitätsparameter zusammen und ist ein Indikator sowohl für Kundenzufriedenheit als auch für Prozesskosten. Eine niedrige POR verursacht in der Regel Mehrkosten durch Retouren und Nacharbeit.
Die Zollabfertigungsdauer ist ein direkter Indikator für die Qualität der eingereichten Zolldokumentation und die Effizienz der internen Zollabwicklungsprozesse. Unvollständige oder fehlerhafte Unterlagen verlängern die Abfertigungszeiten und verursachen Verzögerungen. Unternehmen mit dem Status des Zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (AEO) können von verkürzten Abfertigungszeiten profitieren.
Der KPI CO2-Emissionen je Sendung (Carbon Footprint per Shipment) misst den ökologischen Fußabdruck einzelner Lieferungen. Durch EU-Verordnungen wie den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) wird dieser Wert zu einem bedeutenden Einflussfaktor: Lieferanten mit nachweislich geringem CO2-Ausstoß verschaffen dem Unternehmen Vorteile bei der Erfüllung gesetzlicher Nachhaltigkeitsanforderungen und stärken gleichzeitig die Wettbewerbsposition.
Zur Bewertung der Lieferantenperformance werden unter anderem folgende KPIs herangezogen: Termintreue, Fehler- und Ausschussquote, Preiswettbewerbsfähigkeit, Flexibilität, Dokumentengenauigkeit sowie die Einhaltung von Vertrags- und Qualitätsstandards. Diese Kennzahlen lassen sich übersichtlich in Scorecards abbilden und ermöglichen es, leistungsstarke Vorlieferanten zu identifizieren und Prozesse gezielt zu optimieren.
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