- Supply-Chain-Manager verantworten die gesamte Lieferkette – von der Rohstoffbeschaffung bis zur Auslieferung an die Endkunden.
- Ihre Kernaufgaben umfassen strategische Netzwerkplanung, Lieferantensteuerung, Bestandsmanagement und Risikominimierung.
- Zollrecht und regulatorische Compliance gehören ebenfalls zum Tätigkeitsfeld.
- Der Beruf erfordert analytisches Denken, ERP-Kenntnisse sowie interkulturelle und kommunikative Stärken.
Mit einer über mehrere Kontinente vernetzten Wirtschaft entstehen Lieferkettenbeziehungen, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Rohstoffe vom anderen Ende der Welt und Vorprodukte, die mehrfach über Grenzen transportiert werden, machen die Etablierung resilienter Lieferketten für Unternehmen zu einem zentralen Aspekt der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Der Aufbau, die Kontrolle und Optimierung dieser Beziehungen sind die Aufgaben des Supply-Chain-Managers bzw. Lieferkettenmanagers. Daher muss er unter anderem über ein umfassendes, prozessorientiertes Verständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die Lieferbeziehungen verfügen. Insofern ist die Personalstelle des Supply-Chain-Managers besonders für Unternehmen mit internationalen Geschäftsbeziehungen von Bedeutung.
Lassen Sie uns über Ihre Anforderungen sprechen. Unsere Experten beraten Sie gerne – telefonisch oder persönlich vor Ort in Rödermark.
Welche Anforderungen werden an den Supply-Chain-Manager gestellt?
Von der Rolle des Supply-Chain-Managers kann schnell ein falsches Bild entstehen, das vor allem von einer Verbindung der Tätigkeit mit dem Bereich der Logistik geprägt ist. Zwar gehört dieser Aspekt tatsächlich zum Rollenverständnis eines Lieferkettenmanagers, deckt in der Praxis aber nur einen Teil seines Verantwortungsgebiets ab.
Der zentrale Fokus liegt vielmehr auf der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferkette des Unternehmens. Beginnend mit der Beschaffung von Rohstoffen oder notwendigen Vorprodukten über deren Lieferung an die einzelnen Standorte bis zur Auslieferung der Endprodukte an Kunden überblickt der Supply-Chain-Manager den gesamten Prozess.
Aus diesem Grund darf ein Lieferkettenmanager nicht bloß in den Grenzen struktureller Einheiten denken, sondern muss vor allem auch prozessorientiert arbeiten. Es geht in erster Linie darum, Lieferketten als systemisches Konstrukt zu begreifen, bei dem alle Komponenten durch Schnittstellen miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen.
Je nach Unternehmensgröße kann der Supply-Chain-Manager ein Team anleiten, in dem sich Spezialisten mit Teilbereichen – etwa dem Einkauf, dem Transportmanagement oder der Zollabwicklung – beschäftigen, während die Fäden bei der Teamleitung zusammenlaufen, um dieser das Treffen wichtiger Entscheidungen bezüglich der Lieferketten zu ermöglichen.
Diese Aufgaben übernimmt der Lieferkettenmanager
Der Supply-Chain-Manager ist für drei wesentliche Komponenten zuständig, nämlich
- finanzielle Mittel,
- Informationen und
- Waren.
Um diese Ressourcen, die sich in einer Lieferkette in verschiedene Richtungen bewegen, optimal einzusetzen, bedarf es der Kontrolle und Steuerung. Genau daraus leiten sich die verschiedenen Aufgabenbereiche eines Lieferkettenmanagers ab.
Strategische Planung und Netzwerkdesign
Eine zentrale Aufgabe ist die strategische Gestaltung des Lieferkettennetzwerks. Der Supply-Chain-Manager analysiert, welche Beschaffungsquellen, Produktionsstandorte und Distributionswege unter wirtschaftlichen, logistischen und regulatorischen Gesichtspunkten optimal sind. Hierbei fließen Faktoren wie
- Transportkosten,
- Zolltarife und
- Lieferzeiten
in die Entscheidung ein. Aber auch externe Faktoren, wie Risiken aufgrund politischer Umstände und Währungseffekte, sind für strategische Entscheidungen von Bedeutung.
All diese Aspekte fließen in das Netzwerkdesign ein, das der Lieferkettenmanager als dynamisches System kontinuierlich entwickeln muss. Veränderungen – wie neue Freihandelsabkommen, geopolitische Spannungen oder Änderungen des rechtlichen Rahmens – machen Anpassungen notwendig. Die Neujustierung der Liefernetzwerke gehört damit ebenfalls zu den Aufgaben in der Verwaltung von Lieferketten.
Beschaffung und Lieferantensteuerung
Die Auswahl, Qualifizierung und Steuerung von Lieferanten beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens nachhaltig und zählt zu den operativen Kernaufgaben eines Supply-Chain-Managers. Relevante Aspekte sind die Erarbeitung von Auswahlkriterien für neue Lieferanten, die Verhandlung von optimalen Lieferkonditionen bei neuen Geschäftsbeziehungen und der Blick auf bestehende vertragliche Standards im Rahmen regelmäßiger Vertragsprüfungen, wie Preiskonditionen und festgelegte Lieferbedingungen (Incoterms, internationale Handelsklauseln zur Festlegung von Kosten und Risikoverteilung).
Angesichts einer zunehmenden Zahl an Nachhaltigkeitsvorschriften sind im Hinblick auf Lieferketten auch Transparenz sowie die Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards wichtig. Deshalb muss ein Supply-Chain-Manager Aspekte rechtliche Faktoren – unter anderem das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) – und die daraus für das eigene Unternehmen folgenden Auswirkungen berücksichtigen. Dies gilt – gerade bei der Aufnahme neuer Lieferbeziehungen – in besonderer Weise für die Überwachung und Kontrolle der nachgeordneten Lieferanten (Tier 2 oder Tier 3), bei denen sich der Einsatz von Zwangsarbeit oder die Rodung von Regenwaldflächen nicht immer direkt nachweisen lassen.
Bedarfsplanung und Bestandsmanagement
Eine effiziente Lieferkette basiert auf mehreren Faktoren. Dazu zählt auch die Bedarfsplanung, in der sich Vertrieb und Produktion miteinander verzahnen. Ziel ist es dabei, sowohl Überproduktion als auch Engpasssituationen zu vermeiden. Um dies zu erreichen, muss auf Basis der Ergebnisse der Vertriebs- und Produktionsplanung eine solide Bestimmung des Materialbedarfs möglich sein, die ihrerseits dem Supply-Chain-Manager als Grundlage für die Beschaffung dient.
Ein weiterer bedeutender Aspekt besteht in dem Umgang mit saisonalen Schwankungen. Das Bestandsmanagement kann beispielsweise darauf ausgerichtet werden, an bestimmten Punkten in der Lieferkette Puffer aufzubauen. Derartige Sicherheitsbestände erlauben es, Nachfragespitzen aufzufangen. Gerade bei Unternehmen, die Waren aus Ländern außerhalb der Europäischen Union (EU) importieren, muss der Lieferkettenmanager zollrechtliche Instrumente im Blick behalten.
Hintergrund: Mittels des Zolllagerverfahrens sowie der aktiven oder passiven Veredelung lassen sich Kosten optimieren. So sind im Fall des Zolllagers die Einfuhrabgaben regelmäßig erst dann zu zahlen, wenn die Waren entnommen und zum zollrechtlich freien Verkehr überlassen werden, was einen relevanten Liquiditätsvorteil darstellt.
Risikomanagement und robuste Lieferketten
Die Absicherung der Lieferkette gegen Störungen ist in globalisierten Netzwerken ein zentraler Ansatz und gehört in den Verantwortungsbereich des Supply-Chain-Managers. Naturkatastrophen, Pandemien oder Infrastrukturausfälle können Lieferketten unterbrechen und erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die Blockierung des Suezkanals durch das Containerschiff Ever Given im Jahr 2021.
Aus diesem Grund muss sich das Lieferkettenmanagement im Unternehmen die Frage stellen, wie sich in derartigen Fällen die Versorgung mit Material oder der Transport zum Endkunden sicherstellen lässt. Zudem geht es um die Identifikation und Bewertung potenzieller Risiken (sowie deren Eintrittswahrscheinlichkeit) und die Suche nach Lösungen. Eine Diversifikation der Lieferantenbasis und Transportrouten, die Nutzung multimodaler Lieferwege oder der Aufbau eines strategischen Lagervorrats von kritischen Komponenten sind mögliche Maßnahmen.
Zum Risikomanagement gehört aber auch der Umgang mit etwaigen Zollrisiken, die durch eine Nachlässigkeit der Lieferanten – wie die fehlerhafte Angabe von Zolltarifnummern oder ungenaue Warenbeschreibungen – entstehen können. Gerade in zeitkritischen Lieferketten, die in einer Just-in-Sequence-Fertigung münden, können selbst geringe Verzögerungen bereits erhebliche Auswirkungen haben.
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Zollrecht und Compliance als Bestandteil im Lieferkettenmanagement
Der Tätigkeitsbereich eines Supply-Chain-Managers lässt sich nicht auf reine Logistik- und Beschaffungsaufgaben reduzieren. Die regulatorische Dimension sowie das Zollrecht nehmen ebenfalls eine entscheidende Rolle ein.
Wie weit diese Aspekte die Tätigkeit des Lieferkettenmanagements konkret betreffen, hängt maßgeblich von den Verflechtungen innerhalb der Lieferkette ab. Der Unionszollkodex (UZK) ist das zentrale Element für Ein- und Ausfuhren in die EU sowie das Inverkehrbringen von Waren und wirkt sich auf Zollverfahren oder Vergünstigungen aus, die beispielsweise mit dem Status des Zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (AEO, Authorised Economic Operator) verbunden sind.
Bei der Betreuung und Optimierung der Lieferketten sind diverse weitere Vorschriften zu beachten, die unter anderem Aspekte wie Dual-Use (Produkte, die für zivile und militärische Verwendung finden) oder hohe Treibhausgasemissionen und Fragen der Exportkontrolle betreffen. Gerade in der Evaluierung neuer Lieferbeziehungen ist die Frage zu klären, inwiefern potenzielle Partner möglicherweise auf Sanktionslisten stehen.
Unterstützung in diesen sensiblen Bereichen bieten Unternehmen professionelle Zollagenturen wie das Verzollungsbüro Butz. Basierend auf jahrelanger Praxiserfahrung und umfassender Expertise begleiten wir importierenden und exportierenden Unternehmen in den Bereichen der Zollabfertigung, Zollberatung und Behördenkommunikation, sodass diese ihr volles Augenmerk auf den Aufbau strategischer Netzwerke zur Beschaffung von Rohmaterial und Vorprodukten richten können. Darüber hinaus helfen wir dabei, Risikobereiche – wie falsche Einreihungen der Waren in Zolltarife – zu identifizieren und Freihandelsabkommen optimal zu nutzen.
Ausbildung, Qualifikationen und Kompetenzen von Supply-Chain-Managern
In vielen Fällen führt der Weg zu einer Tätigkeit als Supply-Chain-Manager über ein betriebswirtschaftliches, logistisches oder ingenieurwissenschaftliches Studium. In den Bachelor- und Masterstudiengängen wird der Schwerpunkt Supply-Chain-Management mitunter direkt als Vertiefung angeboten. Zudem bieten Hochschulen und Fachhochschulen Themen wie Einkauf, Lieferkette und Logistik zum Teil auch schon als eigenständige Studiengänge an und auch im Rahmen berufsbegleitender Weiterbildungen können entsprechende Qualifikationen erworben werden. Weitere fachliche Expertise kann darüber hinaus durch Weiterbildungen mit einem Fokus auf Zollrecht oder Exportkontrolle erlangt werden.
Die Anforderungen an die Kompetenz eines Supply-Chain-Managers sind anspruchsvoll und verlangen Kenntnisse in Logistik und Transportwesen sowie den Bereichen Einkauf und Vertragsgestaltung. Für strategische Planungen und Optimierungsprozesse bedarf es analytischer Fähigkeiten und Kenntnisse im Umgang mit ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning, Software zur Steuerung von Geschäftsprozessen).
Aufgrund der Außenwirkung sowie dem Austausch mit Lieferanten spielen auch Kommunikation und interkulturelle Kompetenz eine Rolle und sollten daher zu den Fähigkeiten eines Lieferkettenmanagers gehören.
Fazit: Supply-Chain-Manager planen, kontrollieren und optimieren Lieferketten
Supply-Chain-Manager übernehmen in Unternehmen eine zentrale Schnittstellenfunktion, da sie Lieferprozesse nicht einfach nur begleiten, sondern für deren Entwicklung und Optimierung in erheblichem Umfang verantwortlich sind. Um dieser Aufgabenstellung gerecht zu werden, muss ein Lieferkettenmanager sowohl analytisch als auch strategisch denken, darüber hinaus aber auch über gewisse Softskills verfügen. Dazu gehören unter anderem interkulturelle Kompetenz und eine sprachliche Affinität bzw. ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit. Zudem bringen es global umspannende Lieferketten mit Beteiligten in verschiedenen Ländern und auf mehreren Kontinenten naturgemäß mit sich, dass Supply-Chain-Manager sich in einem internationalen Umfeld bewegen, weshalb auch Fremdsprachenkenntnisse einen klaren Vorteil darstellen. Da mit der Planung und Optimierung von Lieferketten auch wirtschaftliche Aspekte für das eigene Unternehmen verbunden sind, sollte ein Supply-Chain-Manager in jedem Fall über eine grundsätzlich positive Einstellung bezüglich der Übernahme hoher Verantwortung verfügen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Ein Supply-Chain-Manager ist für die Planung, Steuerung und Optimierung der gesamten Lieferkette eines Unternehmens verantwortlich. Das umfasst die strategische Netzwerkgestaltung, die Auswahl und Steuerung von Lieferanten, die Bedarfs- und Bestandsplanung sowie das Risikomanagement. Ziel ist es, den Fluss von Waren, Informationen und finanziellen Mitteln entlang der Lieferkette effizient und störungsresistent zu gestalten.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verpflichtet Unternehmen dazu, Menschenrechts- und Umweltstandards entlang ihrer gesamten Lieferkette zu überwachen und einzuhalten – auch bei nachgelagerten Lieferanten (Tier 2 oder Tier 3). Supply-Chain-Manager müssen daher sicherstellen, dass neue und bestehende Lieferbeziehungen diesen gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Verstöße, etwa der Einsatz von Zwangsarbeit oder die Abholzung von Regenwäldern bei Lieferanten, können rechtliche und reputationsbezogene Konsequenzen für das eigene Unternehmen haben.
Der Einstieg in das Supply-Chain-Management erfolgt häufig über ein Studium in Betriebswirtschaft, Logistik oder Ingenieurwissenschaften, wobei Supply-Chain-Management auch als eigenständiger Studiengang oder Vertiefung angeboten wird. Ergänzend sind Weiterbildungen in Bereichen wie Zollrecht oder Exportkontrolle sinnvoll. Gefragt sind außerdem Kenntnisse in Logistik, Einkauf, Vertragsgestaltung und ERP-Systemen sowie Softskills wie interkulturelle Kompetenz, Kommunikationsstärke und Fremdsprachenkenntnisse.
Supply-Chain-Manager setzen auf ein systematisches Risikomanagement, um Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten. Dazu gehören die Identifikation und Bewertung potenzieller Risiken – etwa durch Naturkatastrophen, geopolitische Spannungen oder Infrastrukturausfälle – sowie die Entwicklung von Gegenmaßnahmen. Typische Strategien sind die Diversifikation der Lieferantenbasis, der Aufbau strategischer Lagervorräte für kritische Komponenten und die Nutzung multimodaler Transportwege. Auch die Vermeidung von Zollrisiken durch korrekte Warendeklaration zählt zum Risikomanagement.
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